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schau an| EDITORIAL

Guck­en und Fühlen

Sachen, die da sind war­fen für mich als Kind jede Menge Fra­gen auf: WARUM IST DAS SO GEMACHT; geschlif­f­en, geflocht­en, oder beschriftet? Wie fühlt sich der Tür­griff, die Blat­tkante oder Samt an, wie ist das gemacht und wer hat sich so eine Mas­chine über­legt? 

Am meis­ten beschäftige ich mich schon immer mit Vor­bere­itun­gen; Eine beson­ders glück­lich machende Art der Vor­bere­itung ist es, wenn Werkzeug und Zutat­en selb­st gemacht sind.

Je nach Jahreszeit und Mate­ri­al­fun­dus vari­iert so ein Ange­bot zwis­chen Apfel­baum­rinden für goldgelbe Farbe und schwarz­er Tintlings­tusche aus den zwei Tage vorher gefun­de­nen Pilzen. So funk­tion­iert eine strahlend gelbe Apfel­baum­rinden­lö­sung als fast lichtechte Stoff­farbe genau­so wie als Tusche, um eine Apfel­baumze­ich­nung zu kolo­ri­eren.

Das erzäh­le ich nur, um wieder ein­mal auszuschweifen; Alles hängt mit Allem zusam­men – ich kann also nicht einen Baum zeich­nen, ohne an die Bedin­gun­gen und vie­len Beziehun­gen zu denken, die den Baum wach­sen lassen: warum er da ste­ht, wer ihn gepflanzt hat, was auf unter, neben und wegen ihm wächst und lebt, ja und ob ich mit seinen Frücht­en etwas anfan­gen kann, darf, muss.

Dann sprießt es weit­er in den Verzwei­gun­gen, den ökol­o­gis­chen und ökonomis­chen, biol­o­gis­chen und anderen Nis­chen, Gedanke­nar­beit im unterirdis­chen Wurzel­ge­flecht oder Gespräche im him­mel­wärts Verästel­ten.

Doris Müller

hin und wieder her

BAMBERG, Juli 2017